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Trennung

1. August

Am 1. August 1974 fand in Indien ein sehr bedeutendes historisches Ereignis statt: Sant Kirpal Singh Ji wurde offiziell eingeladen, interessierten Mitgliedern des Indischen Parlaments Seine Vorschläge, wie man die Einheit des Menschen verwirklichen kann, zu unterbreiten. M.P. Shankar Dev Ji organisierte das Treffen im Parlament, und mehr als hundert Mitglieder des Parlaments waren anwesend, um die an sie gerichtete Rede Sant Kirpal Singhs zu hören. Es war das erste Mal in Indien, dass eine offizielle Einladung für einen spirituellen Führer ausgesprochen wurde, das Parlament zu besuchen und seine Ansichten mit den Mitgliedern (des Parlaments) zu teilen.

 

17. August

Am 17. August kam Bibi Lajo, eine ergebene Schülerin von Baba Sawan Singh, nach Delhi zu Meister und bat für eine ihrer Verwandten, die keine Nachkommen hatte: "Meister, segne sie mit einem Kind." Meister sagte zu Ihr: "Fahr nach Amritsar und geh' dort zu Doktor Harbhajan Singh, ich habe mit ihm über eine Medizin gesprochen. Er wird sie dir geben. Sage ihm auch direkt ins Ohr, dass das Gesicht von Sant Kirpal Singh immer mehr fahl wird." Sie überbrachte mir diese Nachricht und sagte, dass Meister immer schwächer wird.

18. August

Am 18. August musste ich um Mitternacht in mein Krankenhaus, um dem Arzt dort zu assistieren. Als ich wieder zurückkam und mich gerade auf mein Bett setzte, um wieder schlafenzugehen, fühlte ich, wie mich jemand fest bei den Schultern packte. Ich wollte mich lösen, da sah ich Meister neben meinem Bett stehen. Meister sagte: "Es ist viel Zeit vergangen, seit wir uns gesehen haben. Schau dir mein Gesicht an, (es war blass und gelblich,) und komm schnell!"

Da ich ganz wirr war und vor lauter Gedanken keinen Ausweg fand, stürzte ich zum Meisterraum, um zu meditieren. Bevor ich den Meisterraum betrat, fiel ein Stück Holz um, das in der Nähe der Tür stand, und verletzte meinen Fuß. Der Fuß blutete, und ich ging hinein. An diesem Tag erschien Meister sofort in meiner Meditation und sagte: "Jetzt habe ich dir eine Wunde gegeben. Du kannst dann vergleichen, ob der Schmerz dieser Wunde stärker ist oder der Schmerz des Herzens." Ich war in einem Zustand wie ein kleines Kind, das verloren ging und weinend herumläuft, aber die Mutter nicht finden kann.


19. August

Der früheste Zug, der mich am 19. August 1974 zu meinem leidenden geliebten Meister bringen konnte, war der Zug um 12.30 Uhr, denn ich war völlig außer Fassung und nicht imstande, selbst mit dem Wagen zu fahren. Am Morgen des 19. August war Meisters Gesundheitszustand höchst beunruhigend. Alle baten Ihn Medizin zu nehmen, aber Meister nahm sie nicht. Er sagte: "Ich will keine allopathische Medizin nehmen, weil sie mir nicht zusagt. Ihr solltet den Doktor in Amritsar anrufen, er sollte kommen."

Ich war auf dem Weg, aber mein Zug hatte Verspätung. Am Abend bedrängten sie Meister sehr. Sie sagten: "Meister, diese Ärzte, die wir gebracht haben, sind Spezialisten. Was kann dieser Doktor aus Amritsar mehr sagen. Er verwendet meist nur Naturheilmittel. Ihr solltet die Medizin nehmen." Meister lehnte es immer wieder ab, aber am Abend bedrängten sie Meister zu sehr, die Medizin zu nehmen. Der Arzt verschrieb genau die vier Medikamente, die ich Meister gebeten hatte nicht zu nehmen. Es war nicht die Schuld des Arztes, es war seine Unwissenheit, er konnte nicht erkennen, dass Meister nicht unter Asthma litt. Liebevoll bedrängten alle Beteiligten Meister so sehr, dass Meister alle vier Tabletten nahm.

Nachdem Er diese Tabletten genommen hatte, begann Sein ganzer Körper zu brennen, weil die Lunge nicht mehr in der Lage war, das Gehirn mit genügend Sauerstoff zu versorgen. Als ich im Ashram ankam, sah ich Meister, sie sagten mir, dass Er diese allopathischen Medikamente erhalten hatte.

Die ganze Nacht blieb ich an Meisters Seite. Aber Meister hielt Seine Augen geschlossen. Obwohl die Ärzte Glucose verabreichten, glühte Meisters ganzer Körper wie Feuer.


20. August

Meister wurde mehrmals darum gebeten, dass Er ins Krankenhaus gehen sollte, aber jedes Mal sagte Er: "Ich habe kein Problem; wenn jemand von euch ein Problem hat, dann sagt es mir, es gibt immer eine Lösung."

Nach 15.00 Uhr holte man einen Arzt aus dem Willington Krankenhaus, der die Einweisung anordnete. Meister sagte: "Da ihr den Arzt geholt habt, muss ich jetzt gehen. Ansonsten finde ich nicht, dass es notwendig ist, dass ich ins Krankenhaus gehe." (Die Meister widersetzen sich niemals den geltenden Regeln.)

Nach 15.30 Uhr brachte man Meister mithilfe eines Sessels zu Seinem Wagen hinunter, wo Er dann auf dem Vordersitz Platz nahm. Meister bat alle, die sich bereits im Ashram versammelt hatten, den Ashram zu verlassen und nach Hause zu gehen. Dann sagte Meister: "Ich gehe ins Krankenhaus. Außer denen, die bei mir im Wagen sind, soll niemand ins Krankenhaus kommen."

Die Personen im Wagen waren: Taiji, Meisters Fahrer und ich.

Meisters Gesichtsausdruck war strahlend und man konnte kein Zeichen einer Krankheit in Seinem Gesicht erkennen. Ich saß hinter Ihm im Auto. Ich hatte vier oder fünf Polster mitgenommen, um Ihm das Sitzen zu erleichtern. Als Meister abfuhr, begann es ein wenig zu regnen. Es war sehr heiß, aber als das Auto anfuhr, begann es zu regnen. Viele Menschen saßen im Ashram. Meister bat sie alle nahezukommen und wies sie an, dass niemand ins Krankenhaus kommen solle. "Niemand soll in mein Zimmer kommen, außer denen, die mit mir im Wagen sind.", denn Meister hatte bereits gesagt: "Ich will die Geschichte nicht wiederholen."

Das war ein Hinweis auf den physischen Weggang von Meister Baba Sawan Singh. Meister Baba Sawan Singh hatte unseren Meister mit der Arbeit beauftragt, aber bei Seinem physischen Weggang haben manche die Situation manipuliert und ein Testament aufgesetzt. Aber Spiritualität kann niemals mit einem Testament übertragen werden. Spiritualität kann nur über die Augen übertragen werden.

So erlaubte Meister nur Taiji, dem Fahrer und mir (ins Krankenhaus) zu kommen. Alle gehorchten Seiner Anweisung; niemand anderer kam. Es war sehr heiß, aber plötzlich begann es zu regnen und innerhalb einer halben Stunde besserte sich die Atmosphäre. Wir nahmen es als ein gutes Zeichen.

Im Krankenhaus war Meisters Zustand am ersten Tag, dem 20. August, etwas besser. Er sagte: "Gut, ihr solltet alle schlafen, ruht euch aus." Damit möchte ich sagen, dass Meister, trotz Seines schlechten physischen Zustandes, nur an Seine Schüler dachte und nicht an sich selbst. Ich saß die meiste Zeit neben Seinem Bett.

Einmal am Abend wollte ich zum Markt gehen, um ein Medikament zu holen, das die Ärzte verschrieben hatten. Es war schon spät und ich wollte es selbst holen. Sofort öffnete Meister Seine Augen und gab mir mit Seinen Augen ein Zeichen, nicht zu gehen. Ich fühlte mich glücklich, weil ich dachte, Meister ginge es jetzt viel besser. Wieder schloss Meister Seine Augen. Manchmal versuchte Er etwas benommen, die Infusionsnadel herauszuziehen.

Jedes Mal sagte ich: "Meister, sie ist dazu da, Glucose zuzuführen." Und Meister sagte: "Gut, keine Angst."

Während ich dasaß, betete ich ständig zu Meister, doch ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Meisters Zustand besserte sich ein wenig, und manchmal erschien es mir, als würde Meister schlafen. So ging es die ganze Nacht über.


21. August

Am Morgen öffnete Meister Seine Augen. Sofort bot ich Ihm Wasser an. Meister aber sagte: "Jetzt ist nicht die Zeit für Wasser, jetzt ist Zeit für Tee." Wir waren alle sehr froh von Meister zu hören, dass Er Tee möchte, weil wir dachten, dass es Ihm jetzt besser gehe. Meister sagte: "Ich werde auch Tee trinken, aber trinkt ihr zuerst." So tranken wir alle Tee und aßen Frühstück. Meister sagte: "Ihr seid hungrig von der Nacht, ihr könnt alles essen." Man hatte viele Sachen zum Essen gebracht und wir waren froh, dass Meister nach Tee verlangt hatte. Es war ein gutes Zeichen. Meister selbst nahm nichts zu sich. Aber als wir alles gegessen hatten, boten wir Meister Tee an. Meister sagte: "O nein, ich brauche das wirklich nicht." Sofort machten wir uns Sorgen. Meister schloss Seine Augen. Niemand von uns wagte es, Ihn noch einmal aufzufordern, den Tee zu trinken. Warum hatte Er Tee bestellt? Er wusste, dass Er den Körper verlassen würden; und dass wir nichts zu uns nehmen würden; wir hatten ja bereits die ganze Nacht nichts gegessen und würden zumindest einen Tag (danach) auch nichts zu uns nehmen. Meister kümmerte sich darum, dass wir essen. Er war dabei, den Körper zu verlassen und immer noch kümmerte Er sich um unser Essen. Welche Schwierigkeiten Er auch immer zu ertragen hatte, Er achtete nicht darauf und dachte nur an uns.

Etwa um 11.00 Uhr besuchte Smt Chander Sheikhar M.P. (eine Abgeordnete) das Krankenhaus, um Meister zu sehen. Als Meister sie bemerkte, öffnete Er sofort Seine Augen und setzte sich im Bett auf, obwohl die Infusion immer noch nicht abgehängt war. Meister begrüßte sie liebevoll, und nach zwei Minuten ging sie wieder. Außer ihr war es keinem Initiierten, noch irgendeinem Familienmitglied, noch anderen Personen erlaubt, Meister zu sehen. Alle gehorchten Meisters Anweisung.

Nach 14.00 Uhr sagten die Ärzte, dass Meisters Gesundheitszustand sich verschlechtert habe, aber Seiner äußeren Erscheinung war davon nichts anzusehen.

Jemand, der in großen Problemen ist und keinen Ausweg findet, betet zu Gott, dass Er ihn beschützen soll. Wo alles andere versagt, da hilft das Gebet.

Ich war sehr beunruhigt und betete zu Meister: "In Zukunft werden wir alles so machen, wie Du es wünschst. Habe Mitleid mit uns, werde gesund." Sofort sah ich, dass es ein wahres Gebet war. Meister öffnete die Augen und sagte zu mir: "Ja, in Ordnung."

Bald darauf kam Taiji, und als sie Meister sah, weinte sie und fragte Meister: "Wer wird nach Euch für uns verantwortlich sein?" Meister zeigte mit dem Finger nach oben und sagte: "Er hat bisher die Arbeit getan, und Er wird es auch in Zukunft tun. Du brauchst dich nicht zu sorgen. Alles ist in Seiner Hand."

Meine Hoffnungen waren am Boden zerstört, und ich begann wieder und wieder zu beten. Schließlich setzte ich mich an einer Ecke des Zimmers zur Meditation. Ich hörte Seine Stimme in meinem Ohr: "Mach dir keine Sorgen, Er wird dich nicht verlassen."

Ich stand auf und ging wieder zu Meisters Bett. Während ich dort stand, nahm ich auf einmal wahr, dass Meister mich anschaute, und ich konnte erkennen, dass in Seinem Auge das ganze Geheimnis des Weges, von der ersten bis zur achten Ebene, verborgen war. Wir nennen es 'das Dritte Auge' – in Seinem Dritten Auge war das gesamte Geheimnis verborgen. Im selben Augenblick erkannte ich, dass dieses Auge von niemandem abhängig sein kann. Dies erkannte ich: Er ist von niemandem abhängig, und innerhalb von Sekunden neigte ich mich vor Meister. Aber im selben Augenblick erkannte ich, dass darin die Hilfe für den gekauften Sklaven lag, denn ich hatte oft gedacht, wenn Meister uns verließe, würde ich meinen Halt in der Welt verlieren, denn niemals würden meine Augen den Blick eines anderen empfangen.

Nach 17.00 Uhr spürte ich eine andere Schwingung, die mein schmerzendes Herz berührte. Ich sah den ganzen Raum wie in goldenem Licht erstrahlen und fühlte, dass hohe Kräfte Meister willkommen hießen.

Um 18.35 Uhr schloss Meister Seine Augen, dann schloss Er Seinen Mund ganz fest, und im selben Augenblick verließ Meister den physischen Körper – Sein Puls war in meiner Hand zu spüren, und er hörte so schnell auf, dass niemand danach ihn noch spüren konnte. Bei einem normalen Menschen schwindet der Puls ganz langsam. Das Elektrokardiogramm hörte auf, als sei es abgestellt worden. Meister hatte sich innerhalb eines Momentes zurückgezogen.

Harbhajan Singh

 

Zum Weiterlesen:
Rede vor dem indischen Parlament,1. August 1974 (nur in Englisch)
Letzter Satsang, 15. August 1974
(nur in Englisch)
Abschied vom Sangat
(nur in Englisch)

Sant-Kirpal-Singh
Als ein Schüler sah, dass Meister körperlich Schmerzen hatte, fragte er Ihn:
"Meister, warum heilt Ihr Euch nicht selbst? Ihr seid doch allmächtig."
Sant Kirpal Singh antwortete:
"Warum heilt Ihr Euch nicht selbst ...? Wenn jemand, den du liebst, dir etwas gibt, sag mir, würdest du es ablehnen? Was erhofft er von euch? – Dass ihr es freudig annehmt! Das ist eine Auswahl, die Gott trifft. Bestimmte Menschen werden geschickt, um die Auswirkungen auf sich zu nehmen. Sie wissen, wann sie (in die Welt) kommen und wann sie wieder gehen. Sie werden euch nicht fallen lassen – vergesst das nicht!"

 

Sant Kirpal Singh, August 1974

Kein Maß könnte die Tiefe Seiner Liebe ermessen.

Dr. Harbhajan Singh

Sant Kirpal Singh

Er, der Ozean der Gnade,
stahl unser Herz und ging nach innen.
Sahen wir Ihn hier in dieser Welt,
sahen wir, dass Er Gott war.
Sahen wir Ihn im Innern, sahen wir, dass Er der Schöpfer des ganzen Universums war.

Dr. Harbhajan Singh

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